Die Zeit mit dem Mustang
Die Zeit mit der bereits 9-jährigen Stute mit der Tag Nummer 6426, die später den Namen „Fortunas Chenoa“ bekam, war für mich sehr Vieles.
Spannend, herausfordernd, auch mal frustrierend, prägend, nachdenklich machend.
Ich habe unter anderem gelernt, dass es immer noch feiner geht. Sie war als nicht domestiziertes Pferd so sensibel, so aufmerksam, so klar.
Da habe ich erst einmal wirklich realisiert, was Pferde, die mit und unter Menschen aufwachsen, bereits an „Training“ oder „Erziehung“ mitbekommen, noch lange bevor wir als Menschen überhaupt an das Thema Training denken.
Streicheln, den Hals tätscheln, klopfen als Lob – die Stute kannte all das nicht.
Chenoa hat mir nochmal so viel mehr Feinheit und Klarheit beigebracht. Dafür bin ich heute noch so dankbar.

Der Trainingsverlauf in Videos
Trainervorstellung
Mit diesem Video habe ich mich vor dem Event vorgestellt. Das war noich bevor wir den Mustang in Frankfurt abholen konnten. Noch lange bevor wir wussten, welcher Mustang zu uns kommt und was alles auf uns zukommen wird. Besonders auf mich. Eine wirklich intensive Zeit mit einigen deutlichen Erkenntnissen lag vor mir.
Erstes Videoupdate
In den ersten Wochen war sie wirklich sehr skeptisch. Daher trägt sie das Halfter mit dem kurzen Strick immer – anders hätte man noch keine Chance, sie zu händeln. Geschweige denn, das Halfter überhaupt auszuziehen. DAs erste Trainingziel – Halfter anfassen und Pferd führen. Führen über den Hof war anfänglich nur möglich, wenn von unseren Pferden eines zur Sicherheit für sie mit dabei war.
Zweites Videoupdate
Dieses Video ist heute noch sehr emotional für uns. Der Anfang war echt und spontan. Ich hatte mein Skript in der Hand. Den Text, den ich sagen wollte. Das fiel mir nicht leicht, vor der Kamera zu stehen und zu sprechen. Auch etwas, was ich bei diesem Event gelernt habe. Als Holger anfing zu filmen, stieß sie mich plötzlich an und roch an mir. Das erste Mal, dass sie es von sich aus getan hat. Ich habe heute noch Pipi in den Augen, wenn ich an den Moment zurückdenke und das Video schaue.
Drittes Videoupdate
Vom kaum führbaren Pferd zum Mustang, der sich beim ersten öffentlichen Training schon Publikum präsentiert. Das war auch spannend für uns. Trotz ca. 80 Zuschauern war ihr Fokus bei mir. Sie war voll da. Die anderen Menschen haben sie nicht verunsichert. Das hat mich so stolz gemacht in diesem Moment. Wir konnten noch nicht „viel“ zeigen, aber haben dadurch schon VIEL gezeigt. Viel ist nicht immer viel. Oder doch? Es kommt auf den Standpunkt und die Erwartungen an. Die sind bei mir heute nochmal anders, als vor dem Event. Und das bei jedem Pferd.
Viertes Videoupdate
Auch mal Sachen zeigen, die nicht klappen. Beim Verladen hat sie sich einmal aus dem Anhänger verabschiedet und ich war etwas zu langsam bzw. wollte nicht hektisch nach dem Seil greifen. Da unser Hof komplett eingezäunt war, kein Problem.
Die Pferdewelt ist nicht perfekt. Soziale Medien gaukeln uns die Perfektion vor. Influencer im Pferdebereich zeigen die Perfektion, ohne dass vielen klar wird:
Ist es Perfektion? Oder doch nur ein Ausschnitt aus dem Leben, der besonders gut aussieht? Mit welchen Mitteln wurde das erreicht, was gezeigt wird? Was wird alles nicht gezeigt?
Zeigt mehr Unperfektes. Keiner ist perfekt. Wir sollten das alle nicht erwarten.
Fünftes Videoupdate
So zurückhaltend sie am Anfang war, so einfach war dann am Ende tatsächlich das Anreiten. Nach der osteopathischen Behandlung war es möglich, ans Reiten zu denken. Das erste Aufsitzen war bei ihr extrem entspannt. Das hätte ich so nicht erwartet. Wir sind auch direkt ins Gelände gegangen. Das Vertrauensverhältnis zu ihr war schon sehr besonders. Die lange Vorbereitungszeit hat sich hier besonders ausgezahlt. Als es bei ihr „klick“ gemacht hatte, ging die Entwicklung in Riesenschritten voran. Es war so faszinierend, so besonders mit ihr. Es war eine tolle Zeit.
Das Auktionsvideo
Die Mustangs werden im Anschluss an das große Event in der CHIO Arena in Aachen im Rahmen einer Auktion verkauft. Dieses Video diente dazu, vor dem Event schon zu zeigen, wie sich das Pferd nach den nur 3 Monaten Training zeigt. Was hat sie gelernt? Wie ist ihr Charakter? Seht selbst. Von Anfang an war mir klar, dass ich den Mustang nicht selbst kaufen möchte. Wir haben unsere Pferde und wollten kein weiteres kaufen. Aber dann, zwei Wochen vor Aachen habe ich doch gemerkt, dass sie mir sehr ans Herz gewachsen ist.
Eine junge Frau hat sie schon bei uns besucht – es war direkt ein Match. Sie ist über Nacht auf dem Hof geblieben und hat entschieden, andere Mustangs nicht mehr zu besuchen. Sie wollte Chenoa. Und Chenoa wollte sie. Am Ende hat sie Chenoa gekauft. Wir haben heute noch Kontakt. Sie steht im Offenstall in einem Trail, ist ein super zuverlässiges Reitpferd, geht Wanderritte und sie und ihre Besitzerin sind einfach nur glücklich miteinander. Happy End!